Warum so viele Allergiker in den Industrienationen?
abgelegt im Archiv Ursachen am 10.12.08

© Marco RaaphorstWährend der Wikipedia-Artikel Allergie fürs Erste eine ganze Reihe von Überlegungen enthält, warum es ausgerechnet die Industrienationen erwischt, sind die individuellen Leidensgeschichten von Allergie-Patienten wesentlich heterogener ausgeprägt. Wie kommt das?
Auch wenn es bei Ihnen anders lief - zum Beispiel aus der Nase - so versuche ich, durch meinen Werdegang eine mögliche Erklärung zu liefern. Ich schreibe stichwortartig ohne weitschweifige Ergänzungen:
Viel Kuhmilch, Haferflocken und Kristallzucker nahm ich als Kind zu mir. Schon die Milchzähne waren voller Amalgame. Meinen Fließschnupfen nahm ich als "Erkältung" wahr. Erst mit 25 Jahren fand ich zu einem Allergologen zwecks Desensibilisierung, die genauso scheiterte wie eine nicht allergenspezifische Methode ein paar Jahre danach.
Ich vermutete erste Zusammenhänge zur Ernährung und zu den zwischenmenschlichen Beziehungen. Mit 36 erhielt ich ein seltsames Buch von einem Amateurschreiberling, ein erfolgreicher Geschäftsführer einer norddeutschen Supermarktkette, der durch gutes Kauen frischer sonnengereifter Obst- und Gemüsefrüchte seinen Darm und sein Immunsystem so gut sanierte, daß er trotz seiner Beeinträchtigungen durch Kriegsverletzungen noch sehr lange lebte. Helmut Wandmaker starb 91-jährig im Sommer 2007.
Wie viele Käuze und Hofnarren der Menschheitsgeschichte, veranlaßte er zum Aufhorchen und Innehalten, zum Hinterfragen und Nachforschen. Im Gefolge tauchen dann auch akademisch gebildete Fachleute mit wissenschaftlichen Methoden auf, die die Gesundheitserfolge solcher Pioniere bestätigen und erklären können. Für den Patienten zählt das Ergebnis.
Ich wurde auf Psychosomatiker, auf Psychologen und Soziologen aufmerksam. Was dann im Alter von 42 Jahren folgte, war nur noch mit einem Dammbruch, mit einer Lawine oder mit einem Wirbelsturm vergleichbar. Ich entdeckte in der Stadtbücherei Frankfurt und in der heutigen Deutschen Nationalbibliothek die Kontroversen der Wissenschaftler zu medizinischen Grundsatzfragen und zur Interpretation von Symptomen.
1999, vier Jahre später, ich war 46 Jahre alt, entdeckte ich das expolosionsartig wachsende Informationsangebot im Internet. Ich war gerade dabei, mein Leben auf den Kopf zu stellen und mein soziales Umfeld fast vollständig neu aufzubauen.
Belastendes Essen und Trinken, und belastende Beziehungen zu Menschen gab ich auf. So verschwanden meine Allergiebeschwerden fast vollständig! Nur Erinnerungen oder Gedanken an belastenden Umstände vermochten bei mir Symptome auszulösen. Auch heute sind Jahre oder Jahrzehnte alte Staubflocken in Gebäuden, wenn sie aufgewirbelt werden für mich Zugang zu alten Erfahrungen und Symptomen.
Nur ein freies soziales Umfeld mit offener Kommunikation schützt mich heute vor Symptomen, die mich früher quälten. Ist dies ein hoher Preis, den ich zahle? Das mag eine Frage der Perspektive sein, für mich sind es einfach nur Grenzen, die mir gesetzt sind.
Da ich Jahrzehnte brauchte, um Licht ins Dunkle meines Bewußseins zu bringen, habe ich heute ein umfassendes Verständnis für Menschen, die Erkenntnisse und Einsichten ignorieren oder nicht einmal wahrnehmen, die stumm wie Lämmer zur Schlachtbank einer ausbeutenden Industrie schreiten und nicht erfassen, daß sie selbst ihr eigenes Leben zerstören.
Solche Skizzen von Menschenleben gibt es millionenfach, die meisten sind nicht einmal schriftlich formuliert. Wenn Sie diese Worte lesen, erkennen Sie vieleicht Ähnlichkeiten oder Vertrautheiten. Sie vergleichen, wägen ab und schlußfolgern individuell. Ihnen ist bewußt, daß wir heute durch vielerlei Medien und Informationsaustausch in einer anderen Situation sind als die Menschen, die in Jahrtausenden bis heute durch verschiedene Arten von Pest dahingerafft wurden, ohne zu verstehen, was ihnen geschah.
Als Allergiker haben wir heute die Wahl, unser Leben so zu ändern, daß wir wieder beschwerdefrei sind. Die Freiheit zu leben ist überaus kostbar.
Hans Kolpak
Für ein allergiefreies Leben

© Marco Raaphorst
Tags: Allergie Psychosomatik Psychologie Soziologie Allergene Desensibilisierung Ernährung Beziehungen
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