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Wachsende Allergikerzahlen durch westliche Lebenswelten

abgelegt im Archiv Wissenswertes am 30.03.10

Wachsende Allergikerzahlen durch westliche Lebenswelten
© Bob Jagendorf
In den Jahren zwischen 1920 und 1980 nahm die Zahl der Sensibilisierten pro Geburtsjahrzehnt um fünf Prozent zu. Bei den jungen Menschen sind es heute bereits um die 45 Prozent, die sensibilisiert sind. Wenn es ganz ungünstig kommt, dann hat von diesen 45 Prozent bereits jeder Zweite eine Allergie. Natürlich sucht man immer wieder nach den Erklärungen hierfür. Da es nicht am Erbgut liegen kann, da sich das innerhalb einer dermaßen kurzen Zeit nicht einfach umschreiben kann, muss es an der Lebensumwelt liegen. Viele denken dann gleich an die vielen Schornsteine und Schlote, die einst unsere Luft verpesteten. Aber interessanterweise sind es wohl offensichtlich nicht die alten Rußschleudern, die dafür verantwortlich sind, sondern die modernen Neuerungen der Hygiene- und Wohlstandsgesellschaft. Am besten kann man das am Beispiel des wiedervereinigten Deutschlands sehen. Vor der Wende gab es im Osten nur recht niedrige Allergikerzahlen. Je westlicher der Osten in Bezug auf die Lebensgewohnheiten wurde, desto mehr wachsende Allergikerzahlen konnte man feststellen. Wen man die neuen Bundesländer einmal ausnimmt, kann man auch noch eine weitere interessante Entdeckung machen: Unter allen, die in den siebziger oder achtziger Jahren geboren wurden, ist die Rate der Sensibilisierten mit den genannten 45 Prozent immer gleich hoch.

Kann man daraus schließen, dass die Veränderungen, die allergierelevant sind, in den achtziger Jahren bereits abgeschlossen waren, oder ist es eher das Maximum, was die menschlichen Gene hergeben können?Eins scheint festzustehen, egal woran es liegt, die uralte Biologie des Menschen scheint mit dem modernen Leben heillos überfordert. Das ist ja eigentlich auch gar kein Wunder, denn der Mensch von heute ist mit über 70.000 Chemikalien konfrontiert, bis die nächste Welle kommt, kann es nicht mehr lange sein. Im Bereich Handel und Verkehrsbetriebe wird mit dem Gedanken gespielt, Räume zu beduften. Immer nur her mit den neuen Chemikalien. Da nicht jeder von uns hoch in die Berge auf eine Alm ziehen kann, werden wir wohl mit den Allergien leben müssen, so gut es geht. Allerdings ist es eine Tatsache, dass Allergien meist in der frühen Kindheit angestoßen werden, daher sollten die lieben Kleinen möglichst in einer recht ursprünglichen Umgebung aufwachsen. Dazu gehört es auch, dass Kinder ruhig im Dreck spielen sollten. Wir Erwachsene können nur die Allergene auf Abstand halten und noch ein paar Therapien ausprobieren, aber wenn man dieses Schicksal den Kindern ersparen kann, indem man sie einfach Kind sein lässt mit Haustieren, im Dreck spielen und vor allen Dingen ohne ständige Händedesinfektion in allen Situationen, dann sollte man dies seinem Kind zuliebe auch tun, auch wenn die schöne bunte Welt der Werbung etwas ganz anderes suggerieren möchte.

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Tags: wachsende  Allergikerzahlen,  uralte  Biologie  des  Menschen,  Allergien,  Allergene,  Desinfektion,  Chemikalien 

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